Wo bleibt denn nur das Chaos???

„Das befüchtete Schneechaos blieb jedoch aus“, hörte ich heute morgen aus meinem Radiowecker. Was würde sich also beim Blick aus dem Fenster zeigen? Meine Erwartung bestätigte sich: Nichts besonderes war zu sehen. Es schneite, der Schnee blieb sogar liegen und es hatte sich eine Schicht von etwa drei Zentimetern der weißen Pracht gebildet. Für diese Jahreszeit ein ganz normaler Vorgang. Nicht jedoch für die Panikmacher in den Redaktionen. Zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk steht nach deren Ansicht jährlich zu dieser Jahreszeit der Weltuntergang wieder einmal kurz bevor. Man muss nur sprachlich kräftig nachhelfen. Den Satz

Das befürchtete Schneechaos blieb jedoch aus

sollte man sich deshalb einmal auf der Zunge zergehen lassen. Schneechaos. Also Chaos. Dritthöchste Eskalationsstufe vor dem Eintritt der Katastrophe und dem GAU. Ist zwar nicht vorhanden, aber ein absoluter Hinhörer – auch wenn es ausblieb. Und nicht nur das: es blieb „jedoch“ aus. Höre ich da die Enttäuschung des Redakteurs durch? Ist er da nur knapp am „leider“ vorbeigeschrammt? Dann noch ein weiterer Blick auf diesen Satz, der gebetsmühlenartig wiederholt wird: Das „befürchtete“ Chaos sei ausgeblieben. So wird aus der Mücke endlich ein ausgewachsener Elefant. Dass in sämtlichen seriösen Wetterberichten niemals von chaotischen Zuständen die Rede war und erst recht nicht vor solchen Entwicklungen gewarnt wurde – geschenkt. Hauptsache es klingt dramatisch. Dabei sind doch bloß ein paar Schneeflocken gefallen.

Mal ein Blick in den Duden: Was bedeutet der Begriff „Chaos“?

Abwesenheit, Auflösung aller Ordnung; völliges Durcheinander

Das trifft physikalisch betrachtet sicherlich auf die Schneeflocken zu. Nicht jedoch auf die Folgen. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft ist der Verkehr allenfalls beeinträchtigt. Mehr nicht. Von einer „Auflösung aller Ordnung“ kann wahrlich keine Rede sein.

Was werden die Panikmacher wohl formulieren, wenn es wirklich einmal zu einem Schneechaos käme? So wie Ende 1978, als Menschen in Lebensgefahr gerieten, von jeglicher Versorgung abgeschnitten waren und beinahe verhungert wären? Schneekatastrophe? Schnee-GAU? Weißer Weltuntergang?

Bis wir das erfahren werden, bescheide ich mich mit sachlichen Formulierungen. Zum Beispiel, dass der Schneefall zu Verkehrsbehinderungen führte oder dass infolge des Schnees die Zahl der Verkehrsunfälle stieg. „Chaos“ oder ähnliche Katastrophenszenarien sollte man besser abwarten und entsprechend wortgewaltig berichten, wenn sie eintreten.

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Über udostiehl

Redakteur und Sprecher

Ein Kommentar zu “Wo bleibt denn nur das Chaos???

  1. landbewohner sagt:

    zeiten in denen man die bevölkerung nach plan ausplündert und betrügt brauchen katastrophen, um von den wirklichen gefahren abzulenken. da wird eben aus 10 cm neuschnee eine schneekatastrophe ungeheuerlichen ausmaßes und ein rostiger wasserhahn in südchina kann die trinkwasserversorgung von ganz ostasien gefährden.

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