Söldner als „US-Berater“ deklariert – Do You Speak NATO? (2)

Im September hatte ich schon eine gewisse Vorahnung, dass sich die „Inside-Attacks“ als neuer Begriff in die Nachrichtensprache einschleichen würden. Und tatsächlich: Sie tauchen wieder auf. SPIEGEL ONLINE vermeldet heute:

Erneut melden westliche Truppen in Afghanistan einen sogenannten „Angriff von innen“

WELT ONLINE trifft eine ähnliche Wortwahl:

„Angriff von innen“: Eine afghanische Polizistin hat einen US-Berater erschossen. Es war bei weitem nicht die erste Insider-Attacke in diesem Jahr.

Bei der NATO in Brüssel dürfte die Presseabteilung zufrieden sein. Das so genannte Wording hat funktioniert. Die Redaktionen haben die Wortschöpfung inzwischen übernommen. „Inside Attacks“ bezeichnet in der Sprache des westlichen Verteidigungsbündnisses den Angriff verbündeter Soldaten auf Kameraden in den eigenen Reihen. In den veröffentlichten Artikeln gibt es aber noch eine neue und versteckte Wortschöpfung aus dem Vokabular der NATO zu entdecken:

Die angebliche afghanische Polizistin hat nämlich einen „US-Berater“ erschossen. Unter dieser Bezeichnung firmieren bei der NATO – geschickt sprachverschleiert – Söldner. Sie erinnern sich vermutlich noch an die US-amerikanische Firma „Blackwater“, die während des Irak-Krieges für zahlreiche Schlagzeilen sorgte. Das Unternehmen heißt inzwischen „Academi“ und bietet nach wie vor nach eigenen Angaben

militärische Dienstleistungen

an. Auch in Afghanistan. Darüber wurde bereits vor zwei Jahren in der Süddeutschen Zeitung berichtet. In dem Artikel werden die Söldner noch nicht „Berater“ genannt. Dort ist klar und unverschleiert von „Söldnern“ die Rede. Nachdem nun also die „Inside-Attacks“ zum Standard-Vokabular aufgestiegen sind, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch der NATO-Sprech „Berater“ das Wort „Söldner“ ablöst.

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Über udostiehl

Redakteur und Sprecher