„Das ist ein guter Tag für…“ alle Phrasendrescher

In Reden, in Interviews, überhaupt: Wer in der Presse zitiert werden möchte, der bereitet sich vor. Das Grundrezept lautet: Es muss eine griffige, plakative und einfache Formulierung zum Einsatz kommen. Im September vergangenen Jahres sprach Bundeskanzlerin Merkel im Bundestag über das Urteil des Bundesverassungsgerichts zum ESM und zum Fiskalpakt:

„Das ist ein guter Tag für Deutschland, und es ist ein guter Tag für Europa“

Der Redenschreiber der Kanzlerin griff also auf das gute alte Grundrezept zurück. Natürlich war diese Formulierung auch vorher schon im Umlauf. Seit dieser Rede im Bundestag aber breitet sich der „gute Tag für“ wie Masern im Kindergarten aus. Inzwischen könnte man einen ganzen Kalender damit füllen. Fast jeder Tag ist inzwischen gut für irgendetwas. Eine kleine Chronik.

Beginnen wir bei besagter Rede von Angela Merkel. Nach ihrem Zitat wurde auch die ARD-Sendung „Anne Will“ zum Thema benannt:

„Das Euro-Urteil – Ein guter Tag für Deutschland?“

Das war am 12. September 2012. Was folgte, war eine beeindruckende Inflation. Nachfolgend ein Auszug aus einer kleinen Recherche in Pressemitteilungen und Artikeln. Und das sind nur die „guten Tage“!

Der „gute Tag für…“ ist nur ein einzelner Baustein aus dem reichhaltigen Lager so genannter politischer Außerungen. Die stets mitgeführte Phrasendreschmaschine hat natürlich auch „kein guter Tag für…“, „ein schlechter Tag für…“ und alle daraus ableitbare Superlative im Angebot. Bald wird mir sicher die nächste überstrapazierte Floskel so sehr auf die Nerven gehen, dass es mich zu einem neuen Blogeintrag treibt. Ich lasse es Sie dann wissen.

Haben Sie noch einen „guten Tag“. Überall – nur bitte nicht in Ihrem Manuskript.

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Über udostiehl

Redakteur und Sprecher