Eine Demonstration gegen Protest

„In Düsseldorf haben 100.000 Menschen für verständliche Nachrichten protestiert.“

Das ist erstens reines Wunschdenken und zweitens ein prächtiges Beispiel für eine unverständliche Nachricht.

Völlig falsch ist die Formulierung nicht: Protestieren stammt ab vom lateinischen „protestari“, was so viel bedeutet wie „öffentlich bezeugen“. Inzwischen wird der Begriff Protest aber überwiegend negativ verknüpft. Ein Blick in den Duden:

Protest

meist spontane und temperamentvolle Bekundung des Missfallens, der Ablehnung

Beispiele:

ein formeller Protest [schriftlich]

Protest gegen etwas erheben

gegen etwas Protest anbringen

es hagelte Proteste

unter Protest den Saal verlassen

Dennoch wird in der medialen Berichterstattung noch oft für etwas protestiert. Die Google-Suche nach „protestieren für“ liefert immerhin rund 66.200 Treffer – auch an prominenten Stellen:

„Hamburger protestieren für bezahlbare Mieten“ (NDR)
„Demonstranten protestieren für bezahlbare Mieten in Hamburg“ (Die Welt)
„Arbeiter protestieren für besseren Schutz“ (FAZ)
„Studenten protestieren für bezahlbaren Wohnraum“ (DLF)

Machen wir es für unsere Leser und Hörer doch verständlicher, indem wir Protest nur in Kombination mit gegen verwenden.

Wenn Sie mögen, können Sie dagegen protestieren – ich demonstriere dafür.

(Bild: Udo Stiehl)

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Über udostiehl

Redakteur und Sprecher

2 Kommentare zu “Eine Demonstration gegen Protest

  1. udostiehl sagt:

    Morgen gibt es keine Billardkugel. Der zehnte Dezember findet auf der Straße statt.

  2. Und was gibt es für ein Begleitfoto, wenn die Poolbillardkugeln „ausgezählt“ haben – aber jetzt nicht gegen das Wort protestieren!

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