Der „Rücktritt“ des CDU-Schatzmeisters Linssen ist gar keiner

Da wird sich Helmut Linssen bei vielen Redaktionen wohl bedanken dürfen. Nach der Diskussion über seine Geldanlagen in Steueroasen wird am Donnerstag Abend in vielen Medien sein „Rücktritt“ vermeldet. Dabei ist der CDU-Politiker gar nicht zurückgetreten:

Denn Linssen ist nach wie vor im Amt des CDU-Schatzmeisters – und will das auch bleiben. Bis April. Dann findet ein Bundesparteitag statt, auf dem die Position des Schatzmeisters neu besetzt werden soll. Linssen kündigte lediglich an, dann nicht wieder zu kandidieren. Mehr nicht. Von Rücktritt ist keine Rede. Es ist ja auch keiner. Der Duden definiert eindeutig den Rücktritt als

Niederlegen eines Amtes

Linssen hat jedoch sein Amt nicht niedergelegt, sondern führt es weiter. Trotzdem meldet selbst tagesschau.de:

Linssen tritt als CDU-Schatzmeister zurück

Auch die Aktuelle Stunde und die Sendung WDR aktuell sprechen vom Rücktritt Linssens. Ebenfalls FAZ.net:

Der CDU-Schatzmeister tritt zurück

Erstaunlich, dass gerade diese so genannten „Qualitätsmedien“ so leichtfertig mit dem Begriff Rücktritt hantieren. Sie ordnen die Entscheidung von Helmut Linssen auf diese Weise irreführend ein. Und sie spielen ihm auch noch in die Hände. Denn „Rücktritt“ klingt nach sofortigem Ende, Schluss, Aus, Feierabend. Ganz passend zu Linssens Wortwahl von der „Hatz auf ihn“. Für diesen nun in der Öffentlichkeit entstandenen Eindruck des schnellen Entscheiders, der nicht zögert Konsequenzen zu ziehen, kann sich Linssen eigentlich bei den Kollegen bedanken. Denn es verschleiert die tatsächliche Geschichte. Und die lautet:

Linssen will trotz der Diskussion über seine Geldanlagen sein Amt als CDU-Schatzmeister zunächst weiterführen. Er kündigte an, auf dem Bundesparteitag im April nicht noch einmal für den Posten zu kandidieren.

Übrigens lenkt Linssens Entscheidung in Sachen CDU-Schatzmeister den Blick nicht ungeschickt weg von einem anderen Amt, das er bekleidet – und für das er keine Konsequenzen ankündigte: Er ist seit Ende 2012 Finanzvorstand der RAG-Stiftung.

(Bild: Screenshot tagesschau.de)

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