Ebola löst Panik-Epidemie in Redaktionen aus

In Kanada ist ein Patient auf eine Isolierstation verlegt worden. Es besteht der Verdacht auf eine Ebola-Infektion. An diesem eher nachrichtenarmen Morgen reichte das aus für eine veritable Epidemie. Sehr ansteckend und vermutlich auch in absehbarer Zeit nicht heilbar. In Teilen der Presse brach die Panik-Epidemie aus:

Wie schon erwähnt: Lediglich der Verdacht auf eine Ebola-Infektion bestand. Ergebnisse aus dem Labor lagen noch nicht vor. Macht aber nichts, denn daraus lassen sich trotzdem große Schlagzeilen machen.

Methode 1: Holen sie ein Fragezeichen aus dem Lager und setzen Sie ein 13 Jahre altes Foto über den Artikel. So macht es der Blick aus der Schweiz und titelt:

Killervirus aus Afrika – Hat Ebola Kanada erreicht?

Vergessen Sie dabei nicht, eine hochdramatische Bildunterschrift zu formulieren:

Helfer in Schutzkleidung transportieren in Mekambo (Gabon) die Leiche eines fünfjährigen Ebola-Opfers ab (Archivbild, 2001)

Und stellen sie spekulativ die Gefahr in den Mittelpunkt:

Es wäre das erste Mal, dass sich der Virus ausserhalb Afrikas verbreitet.

Methode 2: Schalten Sie zunächst auf maximale Panik, korrigieren Sie sich dann unauffällig und vergessen Sie, die Bildunterschrift entsprechend zu korrigieren. Das Handelsblatt bevorzugte diesen Weg:

Screenshot Google-News-Suche

Screenshot Google-News-Suche

Ändern Sie dann im verlinkten Artikel die Überschrift in Richtung Wahrheit:

Mann in Kanada mit Ebola-Symptomen im Krankenhaus

Halten Sie aber das Angstgefühl in der unredigierten Bildunterschrift aufrecht:

Screenshot handelsblatt.de

Screenshot handelsblatt.de

Oder Sie Wählen die klassische Methode 3: Dazu benötigen Sie ein Ausrufezeichen, ein Fragezeichen und wortgewaltige Dramatik. Nein, jetzt kommt nicht BILD. Dies ist der FOCUS:

Ausbreitung des Killervirus. Ebola-Epidemie! Erster Verdachtsfall in Kanada. Greift die Ebola-Epidemie auf den Westen über?

Wenn Sie dann im Verlauf des Tages ihre größtmöglichen Klickraten mit dem kleinstmöglichen Nachrichtenwert dieser Geschichte erreicht haben, können Sie sich dem inzwischen eingetroffenen Labor-Ergebnis zuwenden. Das tut auch BILD – und löst die Nullnummer weithin sichtbar auf:

Screenshot Bild.de

Screenshot Bild.de

Protipp: Bewahren Sie die Textschnipsel auf. Sie sind in gleicher Reihenfolge auch für andere Viren einsetzbar. Sogar bei Hühnern, Rindern und Sojasprossen.

 

(Titelbild: Susanne Peyronnet)

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Redakteur und Sprecher

2 Kommentare zu “Ebola löst Panik-Epidemie in Redaktionen aus

  1. Susanne sagt:

    Protipp meinerseits: Das Wörtchen Killer kommt immer gut. Lässt sich für fast alles verwenden, von Killerviren bis hin zu Killerflocken (Redaktionswitz, wenn die ersten Schneeflocken fallen und der Newsdesk ins Hyperventilieren verfällt). Killer ist so universell einsetzbar, das Wort sollte in keinem Redaktionswerkzeugkasten fehlen. Ebenso wie Chaos übrigens, auch so ein Universalwort.

  2. dorotheawagner sagt:

    Schöne Beispiele! Seltsam auch, daß die Journalisten, die sonst unter den ersten sind, wenn es um das Beherrschen von Fachsprachen geht (man denke an das englische „Fracking“, „Blow Up“, etc. etc.), das lateinisch-deutsche fachsprachliche Virus immer noch umgangssprachlich maskulinisieren. Am lustigsten ist aber der Screenshot von handelsblatt.de (Methode 2), wo das Virus verweiblicht wird. Man muß die Meldung der AFP natürlich mit französischem Akzent lesen, dabei wird „Virus“ zu „Wirüss“ mit Betonung auf der zweiten Silbe: „Tödliche Ebola-Virus: Kanada meldete einer ersten Krankeitsfall“. Weiß man, warum das Handelsblatt so einen Sprachmüll veröffentlicht hat? War die Not so groß?

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