Epidemie-Verdacht: Was Ebola bei Journalisten auslösen kann

In den USA wird ein Arzt behandelt, der sich im Westen Afrikas mit dem Ebola-Virus infiziert hat. In einem speziell ausgerüsteten Flugzeug wird er auf einen Militärflughafen in der Nähe von Atlanta geflogen. Denn dort befindet sich eine von vier US-amerikanischen Kliniken, die auf die Behandlung von Ebola-Patienten vorbereitet sind. Der Arzt ist offensichtlich gesundheitlich stabil genug, ohne Trage – einfach zu Fuß – im Schutzanzug das Krankenhaus zu betreten. Es treten allerdings drastische Nebenwirkungen auf. Und zwar bei einigen Journalisten:

Denn die Geschichte ist so, wie sie oben erzählt wurde, natürlich viel zu simpel und unspektakulär. Ebola! Auf US-amerikanischem Boden! Den Meldungen zufolge handelt es sich um den ersten Fall einer Ebola-Infektion, die überhaupt in den USA behandelt wird. Darüber war in Kanada schon einmal spekuliert worden. Und wenn irgendetwas erstmalig ist, erst recht im Zusammenhang mit einem gefährlichen Virus, dann ist der Aufhänger für die Story schon gefunden:

Epidemie in Westafrika: Erster Ebola-Infizierter in die USA ausgeflogen,

titelt SPIEGEL ONLINE. Noch eine Umdrehung dramatischer formuliert FOCUS ONLINE seine Schlagzeile:

Sorge in Amerika, Abriegelung in Afrika: Erster Ebola-Infizierter in den USA angekommen

Merken Sie was? Wir werden alle sterben! Jedenfalls vermutlich viele. Also einige. Vielleicht. Oder auch nicht. Offensichtlich hat Ebola Nebenwirkungen, die bei einigen Journalisten auftreten. Sie weisen bereits beim Hören des Begriffs stärkste Symptome von Panikmache auf. Nun sind die erwähnten Überschriften jedoch noch harmlos gegen das, was in den USA zur gleichen Zeit über die so genannten Nachrichtensender läuft.

Screenshot CNN

Screenshot CNN

BREAKING NEWS verbreitet zum Beispiel CNN. Das ist der einstmals selbst ernannte „World News Leader“. In einer Sondersendung wird direkt vor das Krankenhaus in Atlanta geschaltet und sorgenvoll gemutmaßt.

Screeenshot Fox News

Screeenshot FoxNews

Bei FOXNEWS, einem Sender, der sogar eine eigene Rubrik „War Stories“ unterhält, muss das schon spektakulärer verkauft werden. Der Patient sollte bildgewaltig unter Dauerüberwachung stehen. Das erledigt die Helikopter-Kamera, die den Krankenwagen auf dem Weg vom Militärflughafen zum Krankenhaus nicht aus den Augen lässt.

Wie schon erwähnt, wir reden hier von einem Patienten mit einer Ebola-Infektion, der in eine Klinik gebracht wird, die auf die Behandlung dieses Virus spezialisiert ist. Irgendein nachrichtlicher Wert der Übertragung von Luftaufnahmen des Krankenwagens ist nicht erkennbar – aber der Eindruck, ganz dicht dran zu sein, zählt eindeutig mehr, als eine sachliche Einordnung.

Als eher beruhigend mag gewertet werden, dass sich die Moderatoren der CNN– und FoxNews-Sendungen ohne Mundschutz vor die Kamera trauen.

Und in Deutschland? Immerhin war erwogen worden, den Patienten in Hamburg zu behandeln. Auf der Internetseite von N-TV ist jetzt (Sonntag, 0:47 Uhr) nichts von den Ereignissen zu lesen. Ist wohl schon Feierabend. N24 dagegen ist noch wach:

Nun ist die tödliche Seuche in den USA angekommen

meldet der neuerdings zu SPRINGER gehörende Sender. Kann man so schreiben. Und es passt auch in die bisherige Linie der hyperventilierenden Berichterstattung.

Screenshot N24

Screenshot N24

Immerhin hat N24 die Karte von West-Afrika schon vorsorglich mit Totenköpfen markiert. Das lasse ich jetzt mal umkommentiert auf Sie wirken. Nicht, dass Sie sich noch anstecken bei den Journalisten, die auf Ebola mit einer Panik-Epidemie reagieren.

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Über udostiehl

Redakteur und Sprecher

2 Kommentare zu “Epidemie-Verdacht: Was Ebola bei Journalisten auslösen kann

  1. Herrlich, herrlich. Nachdem ich mich auf Ihrer Blogseite köstlich amüsiert hatte, ging ich zurück an die Arbeit, die bei mir auch von Recherche geprägt ist. Und was passiert? Mir läuft diese Schlagzeile über den Weg…. Focus:

    Doch kein Ebola! Deutscher Student negativ getestet

    Da fehlt ja nur noch ein grimmig schauender Smiliy dahinter…

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