Zeigt den #Lügenpresse-Rufern doch mal den Redaktionsalltag

Lügenpresse werden wir genannt – die Gründe sind vielfältig. Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird das Etikett des Staatsfunks angeheftet, angeblich sind wir nur das Sprachrohr der Regierung und bekommen „von oben“ die Instruktionen, wie wir über was zu berichten haben. In den sozialen Medien bekommen wir direkten Kontakt zu den Kritikern. Im so genannten Real Live, also im richtigen Leben, aber kaum. Warum eigentlich?

Fangen wir mal mit dem berühmten Begriff des „Elfenbeinturms“ an. Angeblich sitzen wir Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf einer unnahbaren Insel, sind sensationell versorgt und plappern zur Sicherung unserer Einkommen brav die Worte der Regierung nach. Das sind drei massenattraktive Vorwürfe. Dann schauen wir mal drauf:

Sind wir eine „unnahbare Insel“? – Ja, das dürfen wir mal gerne zugeben. Besuchergruppen, die einen Sender der ARD besichtigen möchten, warten machmal bis zu einem Jahr darauf, ihre ÖFFENTLICH-rechtliche Anstalt von innen zu sehen. Das hat sicher Gründe, weil nicht zu große Gruppen durch die Gebäude geführt werden können, ohne den laufenden Betrieb zu behindern. Aber welchen Eindruck erweckt das nach außen? In dieses „Heiligtum“ erlangt man nur nach langem Warten Einlass – und dann ist es doch bestimmt nur eine vorbereitete Show, die geboten wird.

Sind wir „sensationell versorgt“? – Jein. Es gibt Tarifverträge für festangestellte Mitarbeiter und freie Mitarbeiter. Beide orientieren sich im Kern am System der öffentlichen Verwaltung. Die öffentlich-rechtlichen Sender bezahlen ihren Angestellten und auch zumindest den programmprägenden freien Mitarbeitern gutes Geld. Davon kann man leben und es darf gerne mal erwähnt werden, dass Lohndumping hier noch nicht die Oberhand gewonnen hat – es gibt zum Glück noch Arbeitgeber, die die Arbeit ihrer Angestellten und freien Mitarbeiter schätzen und entsprechend honorieren.

Plappern wir die Worte der Regierung nach? Wir wären ziemlich bescheuert, wenn wir das tun würden. Warum sollte ich gezielt im Sinne der Regierung berichten? Wo sollen die uns oft angedichteten Anweisungen zur Berichterstattung überhaupt herkommen? Rein logistisch ist es schon fast unmöglich, so viele Redaktionen innerhalb der ARD auf eine einzige Linie zu bringen, selbst wenn es nur um vergleichsweise geringe Standards geht. Dafür sind es einfach weitaus zu viele Kollegen. Die mehreren hundert Redaktionen der Anstalten, die zur ARD gehören, bekommen ja nichtmal gebacken, manche Namen einheitlich auszusprechen. Und dafür gibt es sogar eine zentrale Aussprache-Datenbank.

Die Kritiker aber mögen all das nicht wahrhaben. Diese „Lügenpresse“ ist doch ferngesteuert und will nur die Sicht von „denen da oben“ weitergeben und verbreiten. Das kann man schlicht zur Kenntnis nehmen und den nächsten Dienst im viel zitierten „Elfenbeinturm“ antreten. Das haben auch viele bisher so gemacht. Meine Idee fußt auf einem anderen Ansatz.

Warum öffnen wir nicht unsere Türen? Lasst die Kritiker doch herein und dabei zusehen, wie wir arbeiten; wie wir darum ringen, Bestätigungen zu erlangen, Meldungen zu verifizieren und eine anständige Nachrichtensendung zusammenzustellen. Und zu sehen, dass wir auch nur mit Wasser kochen, manchmal auch nur begrenzte Möglichkeiten haben, die ganze Wahrheit in kürzester Zeit zu finden. Und auch Fehler passieren können.

Außerhalb der Medienblase müssen ganz offensichtlich immer noch eine ganze Menge von Mythen unterwegs sein. Warum bitte bekomme ich regelmäßig aus dem Freundes- und Bekanntenkreis die Frage gestellt, ob unsere Nachrichtensendungen vom Band kommen? Wenn ich dann sage, dass es nicht das größte Vergnügen ist, um 3 Uhr morgens aufzustehen, um pünktlich um 5.30 Uhr die erste Sendung fertig geschrieben zu haben und damit im Studio zu stehen, ist die Verblüffung groß. „Ach, das ist nicht abends schon aufgenommen worden?“ – Nein, ist es nicht, es ist live. Warum ist der Mythos noch immer so verbreitet, es sei alles vorproduziert? Und warum sollte ich meinen Namen zu Beginn einer Sendung nennen, wenn ich vom Inhalt nicht überzeugt wäre? Ich würde meinen Ruf versauen und könnte einpacken als Journalist, wenn mir nachgewiesen würde, nicht sauber gearbeitet zu haben. Was also sollte das Motiv sein, als „Lügenpresse“ aufzutreten? Ich würde nie mehr einen Job bekommen. Vorher würde ich noch wegen Verstoßes gegen die journalistischen Grundsätze gefeuert. Deshalb werbe ich dafür:

Lasst die Kritiker in die Redaktionen rein, macht Tage der offenen Tür und zeigt, wie wir arbeiten. Auch diese Leute haben ihre Rundfunkbeiträge bezahlt und sollten sehen, was wir damit anstellen und wie wir das tun. Zeigen wir ihnen unsere Quellen via Agenturen und Korrespondenten, das sind keine Geheimnisse. Zeigen wir ihnen, dass wir auch unsicher sind bei manchen Themen – und Kollegen um Rat bitten. Und signalisieren wir doch mal deutlich, dass wir der Laden sind, den auch unsere Kritiker bezahlt haben – und die für ihr Geld selbstverständlich Leistung erwarten dürfen, auch wenn die meiste Arbeit vor der Sendung anfällt, die ganz unbemerkt passiert. Warum? Damit ein anständiges Ergebnis heraus kommt. Sonst würden Sie doch auch nicht mit Ihrem Namen dafür gerade stehen wollen, oder?

Kurz zusammenfasst: Wenn selbst bis heute das Gerücht besteht, Nachrichten kämen vom Band, was um Gottes Willen ist noch alles an Märchen über öffentlich-rechtliche Sender im Umlauf? Ich glaube, es gibt sehr sehr viel aufzuklären. Und das geht am einfachsten, wenn es mit eigenen Augen gesehen wird. Also:

Lasst unsere Zahler doch häufiger zuschauen, vielleicht sogar mitarbeiten – und dann stellen wir die Fragen nochmal. Ich glaube, dass wir damit weit mehr für unsere Glaubwürdigkeit tun können; weit mehr auch bei unseren Kritikern bewirken, als immer nur zu jammern darüber, dass unsere Arbeit nicht wertgeschätzt wird.

(Bild: WDR2-Nachrichtenstudio, aufgenommen während einer Schicht)

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Über udostiehl

Redakteur und Sprecher

25 Kommentare zu “Zeigt den #Lügenpresse-Rufern doch mal den Redaktionsalltag

  1. Name ist Vertrauenssache sagt:

    Als Nichtjournalist aber Brut eines Journalistenhaushaltes weiß ich, dass es nicht erforderlich ist, direkte Anweisungen zu erteilen.
    Der Journalist weiß als in der Regel eher intelligenter Mensch recht gut, was geht und was nicht so gern gesehen wird vom Verleger, Intendanten, Ressortleiter. Weiß er es nicht, oder widersetzt er sich dem fortgesetzt, wird sein weiterer Karriereweg im Haus überschaubar bleiben. Der Rest ist personelle Selbstselektion des jeweiligen „Apparates“. Insofern empfinde ich mich bei der Aussage „Wo sollen die uns oft angedichteten Anweisungen zur Berichterstattung überhaupt herkommen? Rein logistisch ist es schon fast unmöglich, so viele Redaktionen innerhalb der ARD auf eine einzige Linie zu bringen…“ unter Wert verarscht. Erinnert mich an Gniffke’s „Glauben die, wir robben da stundenlang vor Putin rum, um ein Foto zu bekommen, auf dem andere Politiker vom Kellner verdeckt sind?“ (Für Nichtjournalisten: Nö, die Bildredaktion wählt es aus).

    Das ist die Art von Argumentation, die auch Pegida-feindliche aktuelle Kritiker noch misstrauischer macht.

    Den Verweis auf die harten, anstrengenden und so fordernd-fehlerprovozierenden Arbeits-Umstände erinnert mich ebenso an die Gniffkeargumentation. Dürfen sich RT-Journalisten auch darauf berufen?

    Und zuguterletzt: Besucherführungen durch Newsrooms empfinde ich als ähnlich attraktiv, wie Politiker zum Anfassen. Ich will Politiker nicht anfassen und Newsrooms nicht begaffen dürfen. Etwas mehr Qualität und etwas weniger vorselektierender fester Standpunkt würde mir schon genügen. Auch mal intensive Berichterstattung über „unbequeme“ Vorgänge. Kann mir zum Beispiel jemand mal genauere Berichte in den Qualitätsmedien verlinken zu:
    Wer waren die getöteten Journalisten und wie genau lauten die faktischen Vorwürfe bei der hungerstreikenden ukrainischen Pilotin?
    Wie sieht der sich abzeichnende ukrainische Machtkampf zwischen mit Privatarmeen ausgestatteten Oligarchen aus, wer mischt da alles mit?

    Schweigen im Medienwald. Dafür Berichte darüber, wie russische Jets den internationalen (!) Luftraum verletzen(!).

    Es ist natürlich bequemer, sich an den Attacken von Dumpfhirnen der Kategorie Pegida oder Ulfkotte abzuarbeiten, als sich mit fundierterer Kritik am unübersehbaren Berichterstattungs-Bias zu befassen. Solange das so bleibt, wird der Vertrauensverlust bei den Nicht-Extremen Kritikern nicht überwunden werden.

  2. ujf99 sagt:

    @ Florian Hohenwarter:
    zu Krone-Schmalz: Googlen Sie doch mal ein bisschen gegen den Strich. Die Dame hat in Russland gearbeitet, als Gorbatschow an der Macht war, und weiß alles besser als die, die heute in dem Land arbeiten. Als Expertin für das heutige Russland unter Putin würde ich sie in keine Sendung einladen.
    zu Vlad Georgescu:
    Mit einem solchen Auftritt bei Compact tut er sich keinen Gefallen. Das sind gewiss falsche Freunde für ihn. Mich befremdet, dass er sich wundert, dass Spiegel online es nicht mag, wenn ein Autor, der nicht zu den regelmäßigen Mitarbeitern gehört, unabgesprochen Recherchen im Namen der Redaktion anstellt – noch dazu in einem brisanten Umfeld. Das macht man nicht, wenn man weder einen konkreten Auftrag in der Tasche hat noch eng an die Redaktion angebunden ist. Man kann ja sonst nicht wissen, ob ein Redakteur dieses Mediums vielleicht selbst längst an dem Thema dran ist und man ihm damit in die Seite fährt – und vor allem weil man sonst im Fall des Falles nicht abgesichert ist. So ein Verhalten ist unprofessionell und, ja, dumm. Er ist nicht rausgeworfen worden, denn er war nicht wirklich drinnen. Er hat sich aber faktisch selbst die Tür zugehauen. (Dass Vlad in den vergangenen Jahren nur sporadisch für SpOn tätig war, habe ich durch einen Klick auf einen Link auf seiner eigenen Website herausgefunden. Ich landete im Spiegel-Archiv und sah eine Liste seiner Beiträge.)
    Nicht sehr geschickt ist auch dies hier:
    http://www.lifegen.de/newsip/shownews.php4?getnews=m2014-06-03-5214&pc=s01
    „As a part of its new strategic alignment LifeGen.de LTD will sale its publishing division, by this offering more than 10.000 articles, most of them also to be found in the German business database GENIOS. The webzine / blog LifeGen.de (TM) http://www.lifegen.de was established in 2001 as a private follow up of the state granted portal Lifescience.de, which CEO Vlad Georgescu and Marita Vollborn lead as editorial directors in 2000. Meanwhile LifeGen.de is one of the most powerful no-mainstream online platforms in Europe with a high impact on the social media sector. LifeGen.de counted in 2009 more than 300,000 unique users.“
    Wenn investigative Journalisten so einen prahlerisch-euphemistischen Text verfassen, um ihre Domain bzw. eine englische Billig-Ltd. zu verscherbeln, und dann auch noch mit fünf Jahre alten Zugriffszahlen werben, machen sie sich einfach nur lächerlich.
    Für tendenziöse Medien wie Compact ist es natürlich ein gefundenes Fressen, wenn sich so jemand als Opfer sieht (und seine Eigentore übersieht). Ich hoffe, der Ex-Kollege hat in seinem neuen Metier als Romanautor mehr Glück.

  3. Sehr geehrter Herr Stiehl,
    die Medienkritik, die wir heute vorfinden, hat meiner Meinung nach einen wahren Kern. Es wird, wie ich meine, sehr fein wahrgenommen, wie gering die Meinungsvielfalt sowohl der Rundfunk- und Fernsehanstalten als auch der Print- und Onlinezeitungen ist.

    Wenn man aufmerksam ist, kann einem das eben nicht entgehen.
    Hier kann ich viele Beispiele nennen. Z. B. wird Syriza schon niedergeschrieben, bevor sie überhaupt gewählt worden sind. Und das unisono von allen Medien. Das einzige wohlwollende Portät von Alexis Tsipras habe ich in der Berner Zeitung Online gesehen. Dass Medien aus dem Euro-Bereich nicht so berichten, halte ich nicht für Zufall.

    Anderes Beispiel: das Schottland-Referendum. Die Idee eines unabhängigen Schottland wurde von deutschen Medien eigentlich nur verlacht, nicht nur von britischen.

    In entscheidenden politischen Meinungen, gerade z.B. beim Euro, gab es in der Politik nur eine Meinung und ebenfalls keinerlei Kontrapunkte in den Medien.

    Viele Bürger finden sich daher in den Medien nicht wieder und beginnen Medien zu kritisieren. Vieles aus dieser Medienkritik ist natürlich unqualifiziert und inakzeptabel.
    Es ist zum einen sicher albern, von einer großen organisierten Verschwörung oder Zensur auszugehen.
    Ebenso lehne ich den Begriff der Lügenpresse ab, da er eine moralische Disqualifikation in sich trägt. Der Begriff der Lüge hat doch immer etwas bewusst Böses an sich. Den Journalisten wird damit sozusagen kriminelle Absicht unterstellt.

    Es ist schon klar, dass auf dieser Basis keiner diskutieren möchte.

    Diskussion ist allerdings dringend erforderlich, denn Meinungsvielfalt existiert größtenteils nicht mehr.

    Ich möchte darüber reden, warum das so ist, da habe selbst nicht die allerletzte Antwort, glaube aber doch, dass Lobbyismus (beispeilweise durch diverse transantlantische Netzwerke eine Rollte spielt).

    Kann mir viele andere Antworten vorstellen (Sozialisation von Journalisten, etc.).

    Diese Analyse würde mich weiterbringen, Tage der offenen Tür hingegen weniger.

    Viele Grüße

  4. Herr Udo Stiehl, ich bewundere Ihre Geduld und Ihre sachlichen, unaufgeregten Kommentare beim Blog „Propagandaschau“. Ich befürchte jedoch, dass Sie die dort kommentierenden “Lügenpresse”-Schreier nicht mehr von ihrer Überzeugung wegbringen können. Zu fortgeschritten ist deren Indoktrination durch “Gegenöffentlichkeits”-Medien wie Kopp-News, Alles Schall und Rauch, NachDenkSeiten, Ständige Publikumskonferenz, RT Deutsch usw.
    Mir ist diese Verächtlichmachung öffentlich-rechtlicher Medien und die Journalistenhatz schon länger ein Dorn im Auge. Deshalb habe ich dieses neue Blog gestartet:

    http://journalistenhatz.blogspot.ch/

  5. udostiehl sagt:

    Ich kann mich nur wiederholen: Nachrichten sind sachliche und kommentarfreie Darstellungen der Entwicklung. Kommentare, Einschätzungen von Korrespondenten, etc. sind eine andere Baustelle.

  6. udostiehl sagt:

    Frau Krone-Schmalz bezieht sich auf die gesamte Berichterstattung, die auch Reportagen, Einschätzungen und Kommentare umfasst. Ich kann nur für meinen Teil die nachrichtliche Berichterstattung beurteilen und da arbeiten wir nach der uralten Regel, beide Seiten zu betrachten und auch zu Wort kommen zu lassen.

  7. udostiehl sagt:

    Ich kann Herrn Schumanns Eindruck nicht teilen. Mir ist 25 Jahren an verschiedenen Nachrichtentischen so etwas noch nicht passiert, eine Zensur habe ich bislang nicht erlebt.

  8. Florian Hohenwarter sagt:

    Was meinen Sie zu der Aussage des ehemaligen Spiegel-Online Journalisten Vlad Dan Georgescu:
    Mintute 27:
    “Es gibt auf dem Papier eine freie Presse. Aber das ist Makulatur. Weil letzten Endes jeder kritische Artikel oder jedes kritische Thema,dass bestimmte Interessensgruppierungen tangiert, einfach nicht erscheint, nicht publiziert wird, abgelehnt wird. Und deswegen bin ich auch der Meinung, dass dieser Begriff der Lügenpresse gar nicht zu trifft oder eher noch sogar ein Kompliment wäre. Eine Lüge wäre, wenn man überhaupt etwas schreibt. Das ist eine Zensur die offiziell ja nicht existiert, aber eine Zensur die ganz ganz perfide funktioniert. Indem man jemand einfach die wirtschaftliche Existenz, jener, die kritisch berichten wollen zerstört.”

  9. Florian Hohenwarter sagt:

    Was sagen Sie zu den Vorwürfen von Ihrer Kollegin Gabriele Krone-Schmalz. Sie beurteilt die Berichterstattung der deutschen Medien als einseitig:

  10. Florian Hohenwarter sagt:

    Harald Schumann, ehemaliger Spiegel-Journalist meint, in den Redaktionen herrscht eine interne Zensur:

  11. fox trapper sagt:

    Netter Versuch, herr Stiehl – aber völlig untauglich. Denn nichts ist entlarvender als Ihnen die Lügen einfach mal vorzuhalten. Aktuelles Beispiel: Da steht am 12.2. und 16.2. wiederholt auf http://www.tagesschau.de:
    „Die Ukraine und Russland haben sich unter deutsch-französischer Vermittlung beim zweiten Treffen in Minsk auf ein Friedensabkommen geeinigt“.

    Das ist eine glatte Lüge! Denn tatsächlich geeinigt auf einen Friedensplan haben sich die Vertreter einerseits der Ukraine und andererseits jene der selbsternannten Volksrepubliken Donetzk/Lugansk. Vermittelt von Deutschland, Frankreich und Russland!
    Trotz entsprechender Hinweise an die Redaktion erfolgte aber – nichts!
    Ihre Argumentation, Herr Stiehl, geht da nun völlig ins Leere!
    Und da solche Lügen IMMER und immer wieder allein zuungunsten einer bestimmten Seite (in diesem Falle Russlands bzw. der Aufständischen in der Ukraine) ausfallen, ist ein „Versehen“ oder „Zufall“ nun wirklich auszuschließen.
    Die deutschen Staatsmedien mögen ja nichts mit der Nazi-Lügenpresse gemein haben. Lügen verbreiten sie gleichwohl en masse – Tendenz seit Jahren steigend. Und dafür braucht es auch gar keine „Weisung von oben“. Indoktrination und die entsprechende Selektion von Journalisten mit ganz bestimmten politischen Überzeugungen reichen völlig aus dafür. Es ist ja nun wirklich auch kein Zufall, dass zahlreiche „Journalisten“ in Schlüsselpositionen Mitglieder transatlantischer Netzwerke sind.
    Liebe öff.-rechtl. Journalisten: Zeigen Sie mir nicht Ihren Redaktionsalltag. Sondern versuchen Sie’s einfach mal zur Abwechslung mit Objektivität und mit dem Streben nach Wahrheit. Scholl-Latour statt Golineh Atai, um es mal anhand von zwei gegensätzlichen protagonisten auf den Punkt zu bringen.
    Leider gibt es nur noch ganz, ganz wenige in den öff.-rechtl. Medien, die das ernsthaft versuchen. Vielleicht gehören Sie ja sogar dazu, Herr Stiehl – das weiß ich aber nicht, weil ich Sie bislang nicht bewusst wahrgenommen habe. Die übergroße Mehrheit Ihrer Zunft ist freilich völlig indoktriniert, geradezu gleichgeschaltet und sucht sich lediglich diejenigen Fakten zusammen, die das eigene Weltbild stützen. Anstatt möglichst viele Fakten zu sammeln, sie gegenzuchecken und daraus dann eine möglichst realitätsnahe Berichterstattung zu machen.
    Stattdessen kommen fast ausschließlich Kriegspropagandisten wie Frau Atai zu Wort und ausgerechnet diejenigen kriegen dann noch „Journalistikpreise“ verliehen. Also hören Sie mir bitte auf mit Ihrem Gejammer, wie „ungerecht“ die fortwährend und zunehmend belogene Öffentlichkeit Ihren Stand behandeln würde.

  12. […] Stiehl schlägt vor den »Lügenpresserufern« den Alltag in den Redaktionen zu zeigen um auf diesem Weg ihrer Kritik zu begegnen; das klingt ein wenig nach Verzweiflung, könnte aber […]

  13. […] Stiehl schlägt vor den »Lügenpresserufern« den Alltag in den Redaktionen zu zeigen um auf diesem Weg ihrer Kritik zu begegnen; das klingt ein wenig nach Verzweiflung, könnte aber […]

  14. alexplus sagt:

    Unabhängig vom Rest des Artikels:

    „‚Ach, das ist nicht abends schon aufgenommen worden?‘ – Nein, ist es nicht, es ist live.“

    Das hängt, würde ich behaupten, mit der Erwartungshaltung des Zuschauers ab, dass live produzierte Sendungen auch ein „live“ neben dem Senderlogo stehen hat.

    PS: irgendwas stimmt mit dem SSL-Zertifikat nicht, deshalb kann ich mich hier nicht mit Twitter einloggen zum Kommentieren.

  15. wolframcgn sagt:

    Früher hatte der WDR wenigstens noch Mitmachsendungen wie „Offenes Radio“ oder „Funkhaus Wallrafplatz“. Da konnte man viel über das normale Geschäft beobachten.

    Und als Einzelperson oder zu zweit muss man zumindest beim WDR nicht auf Führungen warten (Die übrigens auch sehr gut sind.).

  16. udostiehl sagt:

    Klar machen wir auch mal Fehler. Und das wird in der Redaktion auch thematisiert. Wenn es richtig schlecht läuft, gibt’s auch mal einen Einlauf vom Chef. Wir kochen auch nur mit Wasser.

  17. LHME sagt:

    Dieser wie auch andere Artikel zum Thema zeigen vor allem eins : bei den Medienschaffenden gibt es nur schwarz und weiß. Top Journalist oder lügenpresse. Einzugestehen das man Fehler macht und mal in sich zu gehen und sich zu fragen woher einige Fehlentwicklungen kommen bloß nicht.

  18. M Schneider sagt:

    Mein Gott, das ist aber doch ein bisschen einfältig. Ich bin überhaupt nicht der Meinung, dass diese Lügenpresse-Rufer Recht haben, wenn sie tatsächlich meinen, es gäbe Anweisungen der Regierung, was in den Medien zu berichten sei etc. Aber das Problem der Glaubwürdigkeit des Journalismus an der Frage aufzuhängen, ob da etwas vom Band käme, wo es doch live gesprochen wird? Bitte?! Im Ernst?
    Ich finde tatsächlich die deutschen Medien ziemlich gut (mit Ausnahmen im Boulevard, versteht sich), doch sehr konform sind sie trotzdem. Kaum einen Millimeter geht es mal ab von der „herrschenden Meinung“, und das ist intellektuell erbärmlich. Da schaue man sich wirklich mal amerikanische (nicht alle, ja) oder britische Medien an. Dort kommt Abweichendes zur Sprache und wird dann gerne in Kommentaren zerrissen – aber eben dort. Ich empfehle mal das ellenlange „he said“, „she said“ in US-Zeitungen, was da sauber getrennt wird! Da merkt man schon im Handwerk eine Pluralität, die ich in deutschen Medien vermisse.
    Und, Udo Stiehl, das Problem besteht weiterhin in einer sehr konformen Rekrutierung von Medienschaffenden, das ist fast alles sog. Mittelstand, der eben auch seine Mittelstandssicht der Welt in die Nachrichtenauswahl trägt. Wie viel radikale Systemkritik gibt es überhaupt noch, darf es noch geben? Statttdessen gitb es eine Gute-Laune-Zufriedenheits-Journalismus (gerade auch bei den Öffentlich-Rechtlichen), in dem der höchste Grad der Kritik inzwischen zu sein scheint, ob die Hersteller von Fischstäbchen bei der Verpackungsgröße schummeln oder auf welchem Platz welche Flussbrücke in einem Länderranking landet. (Und ja, es gibt die berühmten Ausnahmen, aber die sind schön tief in der Nacht versteckt.)
    Das ist sind die Probleme, nicht, ob Meldungen live gesprochen werden oder nicht! Echt.

  19. udostiehl sagt:

    Das kann mehrere Gründe haben. Alle Korrespondenten-Berichte stehen allen ARD-Radios im Pool zur Verfügung, deshalb ist es ganz normal, dass ein Bericht gleichlautend z.B. im WDR und auch im BR zu hören ist.
    Bildmaterial für das Fernsehen wird nicht ausschließlich selbst gedreht, sondern kann auch über Agenturen gekommen sein, so dass sich einige Einstellungen in einem Fernsehbericht bei unterschiedlichen Sendern gleichen.
    Texte werden in den Redaktionen selbst geschrieben, es gibt aber auch hier Zulieferungen von Nachrichtenagenturen. Kann sein, dass so in verschiedenen Sendern auch mal ähnliche Formulierungen zu hören oder in Zeitungen zu lesen sind.

  20. DirkNB sagt:

    Achso, aber eine Frage gäbe es dann doch noch: Mir ist schon ein paar Mal aufgefallen, dass auf unterschiedlichen Sendern in den Nachrichten (fast) gleichlautende Meldungen verlesen werden, natürlich immer von den hauseigenen Redakteuren/Sprechern. Gibt es neben der Ausprache-Datenbank auch eine Nachrichtentext-Datenbank? Wenn ein Redakteuer die Meldung mal geschrieben hat, können diese andere auch verwenden?
    Die aufgefallene Nachrichtenmeldungsähnlichkeit gilt übrigens systemübergreifend (also sowohl TV und Radio als auch ARD und ZDF).

  21. DirkNB sagt:

    Gute Idee mit den Offenen Türen. Ggf. würde ich aber noch eine Glaswand einbauen, damit die notwendige Arbeit noch getan werden kann. Wenn der Zuschauerandrang doch zu groß wird. Aber warum auch nicht? Es gibt Gläserne Automanufakturen, gläserne Fleischereien, gläserne Ställe, warum nicht auch gläserne Redaktionen und Produktionen.

  22. udostiehl sagt:

    Ich kenne das Phänomen und ärgere mich darüber. „Die anderen melden das aber auch“ ist kein Nachrichten-Kriterium. Passiert leider dennoch und wird gelegentlich auch zur Eigenwerbung von Medien selbst genutzt. Z.B., wenn eine alte Geschichte aufgewärmt wird und dann als „Exklusiv“ auf den Markt kommt.

  23. Es gibt gewisse Trends und Mechanismen, die dazu führen, daß Medien auch ohne direkte Anweisungen im Schwarm schwimmen, „Hinrichtungsjournalismus“ und „Skandalisierung“ betreiben. Roland Tichy hat es in 7 Punkten zusammengefaßt: http://www.rolandtichy.de/daili-es-sentials/ukraine-und-pegida-vertrauen-journalisten-sinkt/
    Wie stehen Sie dazu ?

  24. Hat dies auf medienethik rebloggt und kommentierte:
    Interessante Gedanken von Udo Stiehl. Oder vielleicht auch schon früher, also zum Beispiel in der Schule, mit mehr Medienbildung anfangen?

  25. Frank Hurlemann sagt:

    Wohl Nacht-Eule, Udo Stiehl! 🙂

    Ich schaue gerade Wolfgang Bosbach.

    Diesmal hat er Maybrit Illner zu Gast.

    Good night there. Danke für den Beitrag.

    Read ya …

    Frank Hurlemann _______________

    Arnimstr. 31 a 23566 Lübeck

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