Stelle oder Arbeitsplatz?

Die Personalpolitik in Unternehmen ist ein Thema, das wohl nie aus dem Nachrichtengeschäft verschwinden wird. Es wird rationalisiert, das Unternehmen möchte effizienter werden und meist werden dann Arbeitsplätze gestrichen. Selten gibt es Meldungen, dass wegen des großen Erfolges neue Stellen geschaffen werden. In beiden Fällen aber gilt: Mit den Synonymen ist es nicht ganz einfach.

Wir stellen 1.000 neuen Mitarbeiter ein„, jubelt das Marketing in seiner Pressemitteilung. In der Tat ein eher seltener Moment, dass Unternehmen positive Meldungen verbreiten. Kommt aber vor. Wenn darüber dann berichtet wird, kommt eine positive Schlagzeile immer gut – zum Beispiel:

1.000 neue Stellen im Werk Köln

oder

Autohersteller schafft 1.000 neue Arbeitsplätze

Aber stimmt das? Gehen wir davon aus, dass das Unternehmen wirklich plant, 1.000 neue Mitarbeiter zu beschäftigen, dann ist nur die zweite Schlagzeile korrekt. Es gibt nämlich einen kleinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen einer Stelle und einem Arbeitsplatz:

Eine Stelle, oder auch Planstelle, ist in der Betriebswirtschaft die „kleinste organisatorische Einheit„. Allerdings muss die Stelle nicht automatisch mit nur einem Mitarbeiter besetzt sein. Teilen sich zwei Halbtagskräfte die Stelle, dann gibt es zwei Arbeitsplätze; sind vier Mitarbeiter zu je 25 Prozent beschäftigt, gibt es entsprechend vier Arbeitsplätze.

Die erste Schlagzeile ist falsch, denn das Unternehmen hat nie behauptet, 1.000 Stellen zu schaffen, sondern allenfalls 1.000 Arbeitsplätze. Dafür würden auch 500 Stellen ausreichen, die jeweils mit zwei Halbtagskräften besetzt werden.

Besonders interessant wird dieser betriebswirtschaftliche Unterschied zwischen Stelle und Arbeitsplatz, wenn es um die Berichterstattung über Unternehmen in der Krise geht. Dann dürfte der Pressesprecher sicher gewieft genug sein, sich dieses Rechentricks zu bedienen. Und dann erzählt er Ihnen in der Pressekonferenz:

Wir sehen daher keinen anderen Weg, als 100 Stellen abzubauen.

Wer daraus nun schlussfolgert, 100 Mitarbeiter könnten ihren Arbeitsplatz verlieren, der ist dem freundlichen Herrn auf den Leim gegangen. Denn es sind möglicherweise weit mehr als 100 Beschäftigte betroffen, weil die Stellen vielleicht mit Teilzeitkräften besetzt sind. Haben Sie danach in der Pressekonferenz gefragt?

So eine unpräzise Angabe im Bericht des Journalisten kann übrigens auch eine schicke Steilvorlage für ein Dementi des Unternehmens sein. Sie müssen nur der Verwechslung von Stelle und Arbeitsplatz erliegen und schon steht eine falsche Zahl in Ihrer Schlagzeile.

 

(Bild: Fabian Mohr)

 

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Über udostiehl

Redakteur und Sprecher

Ein Kommentar zu “Stelle oder Arbeitsplatz?

  1. […] als wir sie eigentlich meinen. Wie wichtig die Wortwahl auch im Personalmarketing ist, beweist das Beispiel von den Stellen und den Arbeitsplätzen, über welches in der vergangenen Woche heiß diskutiert wurde. Dass Stellen und Arbeitsplätze […]

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