Endet die professionelle Distanz an einer Wasserleiche?

Es löste einen Sturm der Entrüstung aus, als die österreichische Kronen-Zeitung ein Foto mit toten Flüchtlingen veröffentlichte. Das Bild, das unverpixelt die Leichen auf der Ladefläche eines LKW zeigt, wurde auch von der Bild-Zeitung in Deutschland abgedruckt. Es sei ein „Dokument der Zeitgeschichte“, erläuterte die Bildunterschrift. Nun ist ein neues Foto auf dem Markt. Eine Kinderleiche liegt am Strand. Weiterlesen

Dramatisches Drama

Es ist kein neues Phänomen, dass Emotion in Nachrichten Einzug gehalten hat. Die Befürworter argumentieren, die Story rücke so näher an den Hörer, Zuschauer oder Leser – es mache die Nachricht „persönlicher“. Die Gegner, zu denen ich mich zähle, sehen das Neutralitätsgebot in Nachrichten verletzt und vermuten gelegentlich dahinter Effekthascherei. Sei es drum, die Medienlandschaft ist Vielfältig und es gibt Platz genug für unterschiedliche Stile. Ein neuer Trend jedoch geht einen Schritt weiter. Zu weit. Weiterlesen

Das Hilfspaket als Wundertüte

Es sind inzwischen etwa fünf Jahre, dass die finanzielle Situation Griechenlands in den Nachrichten behandelt wird. In dieser Zeit haben sich einige Begriffe aus dem politischen Feld verselbstständigt, die ursprünglich noch als wohlmeinend eingestuft werden konnten. Inzwischen kristallisiert sich eine Situation heraus, die auch erfahrenen Kollegen – mich eingeschlossen – zu Denken geben sollte. Weiterlesen

Unbestätigt tot? Warum Pietät in Nachrichten wichtig ist.

Am Freitag (26.06.15) zieht ein Attentäter am Strand von Sousse in Tunesien ein Maschinengewehr aus dem Sonnenschirm und tötet 37 Menschen. Die Hotelanlage hinter dem Strand wird vor allem von internationalen Gästen besucht. Das tunesische Gesundheitsministerium berichtet, es seien auch deutsche Staatsbürger unter den Opfern, nennt aber keine Zahl. Das Auswärtige Amt in Berlin gibt dafür keine Bestätigung. Wie soll man damit am Nachrichtentisch umgehen? Weiterlesen

Er hat irgendwas mit Rücktritt gesagt

Wenn die FIFA kurzfristig eine Pressekonferenz einberuft, dann muss da wohl etwas Wichtiges bevorstehen. Mit erhöhtem Puls drängen die Reporter in den Saal und warten auf Joseph Blatter. 18 Uhr lautet die angegebene Uhrzeit – 45 Minuten lässt der Präsident des Weltfußballverbandes noch verstreichen, dann hebt er zu seiner Stellungnahme an und tritt zurück, oder etwa nicht? Weiterlesen

Ist das nicht eine Dragqueen-Transen-Tunte?

Jedes Jahr, bevor der Eurovision Song Contest über die Bühne geht, passiert’s: Aus den Archiven werden die besonders auffälligen und außergewöhnlichen Momente des Wettbewerbs hervorgeholt. Zweifellos ist der Auftritt der israelischen Künstlerin Dana International dabei, denn sie verkörperte 1998 nicht nur die Sängerin des Siegerliedes Diva, sondern auch eine politische Botschaft. Genauso sicher wie der Ausschnitt aus der damaligen Übertragung aus Birmingham ist auch ihre fälschliche Bezeichnung als Drag-Queen. Das war und ist sie nicht: Weiterlesen

Die „Flüchtlingssaison“ hat begonnen

Nachrichten sollen kurz und knapp über die jüngsten Entwicklungen informieren. Das gelingt in vielen Fällen auch, aber der Hang nach noch mehr „kurz und knapp“ führt zu Wortkreationen, die mindestens unsensibel sind – wenn nicht sogar schlicht geschmacklos. Es ist Frühjahr, das Wetter wird milder und die See ruhiger: Viele Bootsflüchtlinge nutzen die Gelegenheit, denn die Chance zu überleben liegt höher, als in stürmischen Zeiten. Und schon hat die „Flüchtlingssaison“ begonnen: Weiterlesen

Erfinderisch macht Not

Man muss dafür keine große Sympathie empfinden, aber es wird mal wieder gestreikt. Und weil es wesentliche Transportmittel betrifft, sind die Arbeitsniederlegungen in den Nachrichten ein Thema. Wahlweise fallen – je nach Branche – Züge aus, weil die Gewerkschaften GdL oder EVG zu Streiks aufrufen, oder Flüge werden gestrichen, weil die Gewerkschaft Cockpit im Tarifstreit mit der Lufthansa oder German Wings liegt. Egal, welches Unternehmen von den Streiks getroffen wird: Passagiere und Medien warten dringend auf den Notfahrplan bzw. Notflugplan. Eine problematische Wortwahl. Weiterlesen

Stelle oder Arbeitsplatz?

Die Personalpolitik in Unternehmen ist ein Thema, das wohl nie aus dem Nachrichtengeschäft verschwinden wird. Es wird rationalisiert, das Unternehmen möchte effizienter werden und meist werden dann Arbeitsplätze gestrichen. Selten gibt es Meldungen, dass wegen des großen Erfolges neue Stellen geschaffen werden. In beiden Fällen aber gilt: Mit den Synonymen ist es nicht ganz einfach. Weiterlesen

Brauchen wir #grexit, #luxleaks und #reusgate in Nachrichtentexten?

Wer Nachrichten schreibt, kennt die wenig schmeichelhafte Bezeichnung „Zehn-Zeilen-Journalist„. Mehr Platz ist nur in sehr seltenen Fällen drin für ein Thema. Zehn Zeilen sind die durchschnittliche Länge eines Manuskripts in Hörfunk-Nachrichten und deshalb ist jede Möglichkeit, sich kürzer zu fassen, willkommen. Dazu zählen auch Abkürzungen, am besten die, die nicht mehr erklärt werden müssen. Diese Logik funktioniert jedoch nicht immer. Weiterlesen