Schumachers Ski-Unfall – zwischen Spekulation und Fakten

Die Berichterstattung über Michael Schumachers Ski-Unfall hat wieder die alte Frage auf den Tisch gebracht: Ab wann wird ein Thema zur Nachricht? Reicht schon ein erster Hinweis aus unbestätigter Quelle? Muss erst Lebensgefahr bestehen, bevor es relevant genug ist für eine Nachrichtensendung?

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Was Journalisten heute lernen müssen? Viel mehr Ruhe.

Timo Stoppacher hat mit seinem Aufruf zur Blogparade „Was Journalisten lernen müssen“ eine lebhafte Debatte unter den Kollegen ausgelöst. Vieles ist natürlich schon in der einen oder anderen Form diskutiert worden. In meinem Beitrag zur Debatte möchte ich den Blick lenken auf einen Punkt, über den nach meiner Ansicht bisher zu wenig gesprochen wird – die Ruhe: Weiterlesen

Sicherheitshinweis: Lassen Sie Ihre Nachrichten nicht unbeaufsichtigt

Die Huffington Post Deutschland sollte den Nachrichtenjournalisten eine Warnung sein. Denn was dort unter dem Etikett „Nachrichten“ angeboten wird, ist eine Mogelpackung. Diese Verpackungsform ist nicht neu. Aber die Huffington Post Deutschland geht besonders dreist vor. Wer auf der Strecke bleibt, ist der Leser. Weiterlesen

Die „Jagd“ in Boston – Nachrichten aus freier Wildbahn

Waidmannsheil!

Bei der Jagd auf die beiden mutmaßlichen Attentäter von Boston hat die Polizei einen der Verdächtigen erlegt.

Nein – das ist zum Glück nicht so über den Sender gegangen. Aber fast. Denn in unzähligen Nachrichtenmeldungen war tatsächlich von einer Jagd die Rede. Gehört Menschenjagd neuerdings zum Standardrepertoire des schnellen Informationsgeschäfts?

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Überleben im Stehsatz – vorproduzierte Nachrufe sind Redaktionsstandard

Das Mediengeschäft erscheint manchmal schon ein wenig makaber. Vor allem beim Blick in gewisse Text-, Bild- und Audiospeicher. Dort warten dutzende Vorproduktionen auf ihre Veröffentlichung. Prominente im fortgeschrittenen Alter dürfen sich sicher sein: Der Nachruf auf sie ist bereits sende- bzw. druckfertig. Alle Medien haben solche „Nachruf-Speicher“. Damit verrate ich kein Geheimnis. Das schnelle Nachrichtengeschäft erfordert es, auf mehr oder weniger vorhersehbare Fälle vorbereitet zu sein.

Trotzdem ist es natürlich peinlich, wenn die vorgefertigten Texte, Filme und Beiträge zu früh erscheinen. So wie gestern Abend auf der Internetseite der Nachrichtenagentur Reuters (s. Screenshot rechts):

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Boston – wenige Fakten, viele schmutzige Details

Ich muss noch einmal auf die Berichterstattung zu den Bombenanschlägen in Boston zu sprechen kommen. Noch gestern freute ich mich darüber, dass sachlich und zurückhaltend mit den langsam eintreffenden Informationen umgegangen wurde. Es gab wenig Spekulation. Es wurde nicht reißerisch formuliert. Es gab keine Sensationshascherei (außer bei den üblichen Verdächtigen). Leider hat sich das Blatt binnen 24 Stunden gewendet. Wieder sind es die langsam eintreffenden Informationen. Die sorgen aber nun dafür, dass mangels Fakten irgendwie sonst die Seiten gefüllt und die Sendeminuten bestückt werden. Weiterlesen

Der Umgang mit Boston – Sachlichkeit ist überraschend das Gebot der Stunde

Es rauschte als Eilmeldung herein – in meinem Fall über francetvinfo, dem Dienst des öffentlich-rechtlichen französischen Fernsehens. In Boston gab es mehrere Explosionen während eines Sportlaufs. Und bemerkenstwert ist: Die ersten Meldungen – auch anderer Medien – sprachen sachlich von Explosionen. Sie spekulierten nicht über einen Anschlag. Das war in der Tat eine neue Form. Denn bislang wurde gerne gleich von „Anschlag“, „Attentat“ und „Terror“ gesprochen, bevor überhaupt belastbare Informationen vorlagen.

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Pferdefleisch-Skandal mit falschem Etikett

Wenn Medien über ein Thema berichten, bildet sich rasch ein Schlagwort. Griffig muss es sein und wiedererkennbar. Damit es bei Lesern, Hörern und Zuschauern gleich hängen bleibt, wird das Schlagwort gerne mit „Skandal“ oder „Affäre“ verknüpft. Derzeit ist vom „Pferdefleisch-Skandal“ die Rede. Schnell hat sich der Begriff in Print, Hörfunk und Fernsehen festgesetzt. Dabei geht dieses Schlagwort am Kern der Geschichte komplett vorbei. Weiterlesen

Söldner als „US-Berater“ deklariert – Do You Speak NATO? (2)

Im September hatte ich schon eine gewisse Vorahnung, dass sich die „Inside-Attacks“ als neuer Begriff in die Nachrichtensprache einschleichen würden. Und tatsächlich: Sie tauchen wieder auf. SPIEGEL ONLINE vermeldet heute:

Erneut melden westliche Truppen in Afghanistan einen sogenannten „Angriff von innen“

WELT ONLINE trifft eine ähnliche Wortwahl:

„Angriff von innen“: Eine afghanische Polizistin hat einen US-Berater erschossen. Es war bei weitem nicht die erste Insider-Attacke in diesem Jahr.

Bei der NATO in Brüssel dürfte die Presseabteilung zufrieden sein. Das so genannte Wording hat funktioniert. Die Redaktionen haben die Wortschöpfung inzwischen übernommen. „Inside Attacks“ bezeichnet in der Sprache des westlichen Verteidigungsbündnisses den Angriff verbündeter Soldaten auf Kameraden in den eigenen Reihen. In den veröffentlichten Artikeln gibt es aber noch eine neue und versteckte Wortschöpfung aus dem Vokabular der NATO zu entdecken:

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