Viel Aktion in der RedAKTION

Die deutsche Sprache zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie Komposita zulässt. Nahezu beliebig lassen sich Begriffe so miteinander verbinden. Das ist mitunter sehr praktisch, führt aber auch zu einer gewissen Faulheit beim Formulieren, liebe „Aktions-„Künstler:

Von einer „Aktion“ zu sprechen ist zunächst einmal gar nicht verwerflich. Als Oberbegriff für mehrere Handlungen taugt die „Aktion“ sehr gut. Wenn z.B. Greenpeace Transparente entrollt, einige Mitglieder sich an Bahngleise ketten und tausende Demonstranten an einer Kundgebung teilnehmen, dann sind das die unterschiedlichen Bestandteile des Protests, den die Umweltschützer organisiert haben. Das lässt sich schön kurz zusammenfassen als „Protest-Aktion„.

Weil das aber so praktisch ist, verdrängt die „Aktion“ häufig einen präziseren Begriff oder wird als Stilmittel verschlissen.

„Dramatische Rettungsaktion für die Münchner Feuerwehr“,

meldet die Augsburger Allgemeine. Nein, nicht die Feuerwehr musste gerettet werden. Sie führte vielmehr einen Einsatz durch. Aber Einsatz  – das klingt zu langweilig. Da muss ein bisschen mehr Action rein. Und so wird aus der Rettung eine Rettungsaktion.

Frankreichs Präsident Hollands entscheidet, Soldaten in die Zentralafrikanische Republik zu schicken. Die Zeit berichtet:

Hollande kündigt „unverzügliche“ Militäraktion in Zentralafrika an

Auch hier wäre die „Aktion“ verzichtbar. Einsatz wäre der treffendere Begriff. Möglicherweise liegt es an der Übersetzung von „action militaire„. Und – nebenbei bemerkt – Zentralafrika ist nicht die Zentralafrikanische Republik. Das eine ist eine Region auf dem afrikanischen Kontinent, das andere ist das Land um das es in der Meldung geht.

Wirklich überflüssig werden „Aktionen„, wenn sie schon beim Lesen oder Hören etwas plump daherkommen. Der Hund „Chester“ ist in Nymphenburg verschwunden. Eine tragische Geschichte. Dass eine Suche nach dem Tier begonnen hat, reicht der Abendzeitung München nicht. Sie berichtet von einer

Such-Aktion„.

Und was war da im Kölner Dom los? Irgendwie muss doch dieses Klicks garantierende Wort in der Überschrift untergebracht werden.

„Josephine Witt verteidigt Busen-Aktion auf Altar“

titelt Die Welt.

„Josephine Witt verteidigt Sprung auf den Altar“

wäre auch wirklich öde gewesen.

Tausche treffendes Wort gegen Aktion, mag der Autor dieser Spiegel-Online-Schlagzeile gedacht haben:

„24-Stunden-Aktion: Die Techniken für die Jagd auf Temposünder“

Zumal es in der URL richtig steht: „Geschwindigkeitskontrolle“. Warum hier eine 24-Stunden-Kontrolle zur 24-Stunden-Aktion wird, erschließt sich wohl nur dem Verfasser dieser Schlagzeile. Vor allem, da Kontrolle hier das einzig verständliche Wort ist. Wer denkt bei der 24-Stunden-Aktion schon automatisch an Tempokontrollen? Oder überhaupt daran, dass es etwas mit dem Autofahren zu tun hat?

Nach Ihrer Leseaktion könnten Sie nun bei Ihrer nächsten Schreibaktion in der Redaktion eine Reaktion auf diese Blogaktion zeigen – oder wie wäre es mit einer Kommentaraktion?

(Bild: Udo Stiehl)

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Über udostiehl

Redakteur und Sprecher

2 Kommentare zu “Viel Aktion in der RedAKTION

  1. Wünsche mir nun aber auch dringend ne Nachrichtenentgiftungsaktion zu (zB Kurven)BEREICHEN und (AufräumUmbauPlanungs)ARBEITEN. 😉

  2. Eine Art Aktionismus, sozusagen. Mein Vater ist auch eine Art Sprachaktivist, das hat abgefärbt. Aber auf Aktionen dieser Art bin ich noch nicht gekommen. Ich danke sehr! und werde darauf achten. Oder neunen. (ok, der war doof)

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