Zugausfälle in Mainz lösen Redaktions-Chaos aus

Im Mainzer Hauptbahnhof halten weniger Züge, weil das Stellwerk nicht mehr ausreichend personell besetzt ist. Seit Tagen ist deshalb in Print, Funk und Fernsehen von „Bahn-Chaos“ (sueddeutsche.de), „Chaos in Mainz“ (welt.de) und „Mega-Chaos“ (bild.de) die Rede. Tatsächlich aber ist das viel zitierte Chaos ganz woanders ausgebrochen – nämlich in den Redaktionen.

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Ja, ist das denn die Möglichkeit?!

„Nichts ist unmöglich!“ – das galt im Werbeslogan eines Autoherstellers und wirkt noch immer in die Redaktionen hinein. Sobald es um einen Verdacht geht, kommt das Zauberwort „möglicherweise“ zum Einsatz.  Die Formulierung ist praktisch: Mit ihr lässt sich geschickt jede Vermutung so verpacken, als sei sie bereits bewiesene Tatsache. Außerdem ist sie unverbindlich. Es könnte ja auch anders sein. Aber „möglicherweise“ eben doch so wie spekuliert. Jetzt noch geschickt eine Kombination mit einem vermeintlichen „Skandal“ – und fertig ist die perfekte Schlagzeile: Wie zum Beispiel diese auf WELT ONLINE:

Möglicherweise neuer Organspenden-Skandal in Leipzig

Möglicherweise auch nicht.

Möglicherweise stürzt morgen auch eine Boeing 747 auf Gelsenkirchen. Nichts ist unmöglich. Es gibt allerdings – nicht nur möglicherweise – präzisere Formulierungen.

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Söldner als „US-Berater“ deklariert – Do You Speak NATO? (2)

Im September hatte ich schon eine gewisse Vorahnung, dass sich die „Inside-Attacks“ als neuer Begriff in die Nachrichtensprache einschleichen würden. Und tatsächlich: Sie tauchen wieder auf. SPIEGEL ONLINE vermeldet heute:

Erneut melden westliche Truppen in Afghanistan einen sogenannten „Angriff von innen“

WELT ONLINE trifft eine ähnliche Wortwahl:

„Angriff von innen“: Eine afghanische Polizistin hat einen US-Berater erschossen. Es war bei weitem nicht die erste Insider-Attacke in diesem Jahr.

Bei der NATO in Brüssel dürfte die Presseabteilung zufrieden sein. Das so genannte Wording hat funktioniert. Die Redaktionen haben die Wortschöpfung inzwischen übernommen. „Inside Attacks“ bezeichnet in der Sprache des westlichen Verteidigungsbündnisses den Angriff verbündeter Soldaten auf Kameraden in den eigenen Reihen. In den veröffentlichten Artikeln gibt es aber noch eine neue und versteckte Wortschöpfung aus dem Vokabular der NATO zu entdecken:

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