Den Asphalt übergeteert

Wann ist Ihre Straße das letzte Mal neu geteert worden? Heutzutage kommt das immer seltener vor, eigentlich gar nicht mehr. Und das hat nun ausnahmsweise mal nichts damit zu tun, dass die Kommunen und Kreise kein Geld haben, um Straßen zu sanieren.

Teer und teeren gibt’s einfach nicht mehr. Teer ist giftig und kann sogar Krebs auslösen. Deshalb ist er seit den 1970er-Jahren in Westdeutschland und seit der Wende auch in Ostdeutschland verboten. Dabei gefährdet der Teer gar nicht die Gesundheit von Autofahrern oder Fußgängern, wer leckt schon den Straßenbelag ab. Die Gesundheitsgefahr trifft die Straßenarbeiter, die mit diesem Baustoff arbeiten müssen. Außerdem werden Umweltschäden durch ausgewaschenen Teer befürchtet. An seiner Stelle wird Bitumen verwendet. Deshalb werden Straßen heutzutage aber nicht bitumisiert, sondern asphaltiert. Asphalt ist die Mischung von Bitumen und mit gekörnten Steinchen.

Im Volksmund hat sich der Begriff vom Teeren der Straßen immer noch gehalten. Journalisten verwenden ihn kaum noch, und das ist gut so, weil teeren schlicht falsch ist. Manchem rutscht das Wort aber doch noch durch. Da gruselt’s jedem Straßenbauer.

Andere Begriffe gruseln andere Fachleute. Da sollen sie sich aber bitte gerne weiter gruseln, wenn der Begriff nichts völlig falsches bezeichnet. Beispiel Gefängnis: Jeder Vollzugsbeamte und Gefängnisleiter wirft sofort ein, das heiße Justizvollzugsanstalt. Soll es gerne. Gefängnis ist aber nicht falsch und meiner Meinung nach so geläufig, dass es gerne in Nachrichtentexten vorkommen darf.  Genauso übrigens wie der Geisterfahrer. Auch wenn die Fachleute immer darauf beharren, der heiße Falschfahrer. Geisterfahrer ist so schön griffig, darauf möchte ich nicht verzichten.

Niemand ist verpflichtet, in Nachrichtentexten Fachsprache zu schreiben, das schadet oft sogar, weil es gestelzt und unverständlich ist. Falsche Bezeichnungen aber gehören überasphaltiert.

(Bild: Udo Stiehl)

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Über Pyrolim

Journalistin, Bloggerin, Fotografin