In 2013 wurden Tickets teurer – der Anglizismus blieb billig

Die Deutsche Bahn wird ja gerne als schlechtes Beispiel für allerlei Ungemach herangezogen. Mindestens in einem Punkt aber ist sie vielen Nachrichtenredaktionen inzwischen ein Stück voraus: Sie schafft konsequent Anglizismen ab. Der „Service Point“ ist inzwischen wieder die „DB Information“ und der „Counter“ heißt nun „Schalter„. Nach und nach sollen alle Bezeichnungen so weit wie möglich ins Deutsche zurückgeholt werden. Im Sommer vergangenen Jahres hat das Unternehmen damit begonnen. Oder soll ich besser sagen: in 2013?

Diese Unsitte schwappt inzwischen immer häufiger in die Nachrichtenmanuskripte. Die Neue Westfälische berichtet von den Leopoldshöher Gemeindebüchereien, die bei den Ausleihen einen leicht rückläufigen Trend verzeichneten:

„Die Zahl ist von 122.000 in 2011 auf 108.000 in 2013 zurückgegangen.“

Freudige Mitteilung dagegen aus der Abteilung Kommunikation des Saarländischen Rundfunks:

„8500 Besucher in 2013,

titelt der SR. Gut, dass die Anstalt dafür sofort die Verantwortung übernimmt, wie ich dem Kleingedruckten unter dem Artikel entnehme: „Der Saarländische Rundfunk ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich.“

Rekordverdächtig tat sich in meiner kleinen Internetrecherche die Allgemein Zeitung hervor. Der Autor bringt in seinem kurzen Text sage und schreibe sieben Mal die Formulierung „in + Jahreszahl“ unter:

„Rückgang auf 86 Neugeborene in 2013

„…angesichts der 86 Rosendahler Kinder, die in 2013 das Licht der Welt erblickt haben.“

„Erneut einen starken Rückgang musste der Ortsteil Osterwick verkraften – von 41 Kindern in 2011 über 36 auf nunmehr 30 Neugeborene.“

„Nachdem im Vorjahr die Jungen mit 54:43 klar die Nase vorne hatten, haben in 2013 mehr Mädchen das Licht der Welt erblickt.“

„Bei den Jungen war in 2013 Hannes der beliebteste Name.“

„48 Paare haben sich in 2013 in Rosendahl das Ja-Wort gegeben.“

„Anders als im Vorjahr ist in 2013 in Rosendahl auch eine Lebenspartnerschaft geschlossen worden.“

Der Duden formuliert diplomatisch, dieser Anglizismus werde „allgemein nicht akzeptiert“ und erläutert:

„Als standardsprachlich gilt die Jahreszahl ohne Präposition oder die Fügung im Jahre + Jahreszahl.“

Ich erlaube mir die undiplomatischere Variante und schalte um auf „Hassknecht-Typo“: LASST DAS!!!

Übrigens verkauft die Deutsche Bahn in ihrem Kerngeschäft „Tickets„. Früher als „Fahrkarten“ oder „Fahrscheine“ bekannt. Nur mal so – als Hinweis auf mögliche Synonyme. Und diese „Tickets“ werden in seltener Regelmäßigkeit teurer. Oder – wie es gelegentlich zu lesen steht – die Preise werden teurer. Darum kümmert sich der Nachrichtengiftschrank in Kürze.

Noch ein Hinweis für sprachliche Feinschmecker: Der Anglizismus des Jahres wird gerade im Sprachlog von Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch gekürt. Sehr lesenswert.

(Bild: Susanne Peyronnet)

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Redakteur und Sprecher

2 Kommentare zu “In 2013 wurden Tickets teurer – der Anglizismus blieb billig

  1. Christoph Michely sagt:

    Mal ehrlich: warum ist es einer Sprache eigentlich verboten, sich weiter zu entwickeln? Dieses „in 20xx“ ist vollkommen logisch verständlich, mindert in keinster Weise den Lesefluss und wird so häufig und von so vielen Menschen verwendet, dass man überlegen sollte, einfach auch mal hin und wieder Regeln anzupassen statt die deutsche Sprache in ihrer Entwicklung stagnieren zu lassen.

  2. dorotheawagner sagt:

    Ich schließe mich der Haßknecht-Typo sofort und gerne an. Dieser Fehler ist – neben den unsäglichen und ubiquitären Gänsefüßchen – der von mir am häufigsten korrigierte. Leider gedeiht er wie Unkraut, und ich fürchte, er wird weiter wachsen und immer mehr häßliche Blüten treiben. Wer weiß, wie lange es dauert, bis es – nur konsequent – dann auch „in Juni 2008“ heißt.

    Was Ihren Nachrichtengiftschrank betrifft, so können Sie ein wegzusperrendes Objekt hier anschauen:
    http://textundsinn.wordpress.com/2013/04/12/alles-wird-teurer/

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